Spuren

Bernadette Schroegers abstrakte Gemälde-Serien sind voller Energie, lebhaft und kraftvoll. Farbflächen stehen lebendigen Linien gegenüber, Bildräume entstehen. Sie zeigen Spuren von Aktionen und Veränderungen, der Malprozess wird nachvollziehbar.   Und immer lassen die Gemälde dem Betrachter Raum für Assoziationen.
„currentline“ - eine Serie von Gemälden mit Linien auf blauem oder grünem Grund: Linien in verschiedenen Blau-, Rot- oder Grüntönen, im Bildzentrum nebeneinander gesetzt,  gewunden, zerfasert, viele so stark aufgelöst, dass nur noch Farbflecken bleiben. Assoziationen an Landschaften werden geweckt. Verlaufen die Linien vertikal, erinnern sie an Spuren eines Bootes im Wasser: Spiegelungen des Lichtes und der Umgebung, Impressionen einer Fahrt. Verschiedene Augenblicke - Zeit - hält Bernadette Schröger in den Gemälden fest.
Mit der einzelnen Linie setzt sie sich in der Serie „traces“ (2003) auseinander: einzelne, lebendige Linien, schwarz oder weiß auf rotem Grund. Zuerst ist die Spur des Pinsels zart und leicht. Später werden die Linien kraftvoller oder breiter, erscheinen wie Risse oder Schatten. Die dunklen Linien modellieren die rote Fläche von „island“ (2004), beschwören Assoziationen an höhlenartige Öffnungen oder verschattete Vertiefungen in einer feuerroten Landschaft herauf. Rot ist die Farbe der gesamten Serie, ein lebendiges, intensives aber nicht aggressives Rot.
Linien hinterlässt auch der mit Asphaltlack bestrichene Stein als Spur auf der Bildfläche von echoroom (2002). Der Stein rollt teils zufällig, teils von der Künstlerin gesteuert über die Leinwand.  Die Linie ist unregelmäßig, unterbrochen, erscheint häufig wie hingehaucht auf den weißen Untergrund und endet immer in einem schwarzen Fleck. Teils erinnert ihre Form an Noten, als ob sie den Ton des Steins, das beim Rollen erzeugte Klack-Klack festhalten würde. Wird die Aktion vervielfacht, rollt der Stein immer wieder vom Rand zur Bildmitte, verdichten sich hier die verschiedenen Spuren, bilden ein Kraftzentrum. Lebendige Linien scheinen jetzt aus der Tiefe des Bildraums herauszuquellen und erobern die Fläche. Der Abdruck des Untergrunds zeichnet sich als  Gitternetz auf der Leinwand ab – eine Erinnerung an den Ort der Aktion.
Die zufällige Spur, die der tanzende Stein auf der unberührten Leinwand hinterlässt, wirkt als Abbild der Aktion, als Bild der Vergangenheit. Sie fordert die Reaktion der Künstlerin heraus. Bernadette Schroeger arbeitet weiter mit den Spuren des Steins, betont, verändert, erweitert sie. Die Spuren bilden den Ursprung für etwas ganz Neues. So entwickelt sie in der Serie echoroom 1-12 (2002) aus den Steinspuren abstrakte Gemälde, die an vereiste Küstenlandschaften erinnern.
Vom Zufall beeinflusste, nicht vollkommen steuerbare Aktionen spielen auch bei den „Signaturen der Kraft“ (1999/2000) eine wichtige Rolle. Die Künstlerin trägt flüssige Ölfarbe am oberen Rand der Leinwand auf. Während die Farbe herabrinnt, greift sie in deren Lauf ein, gestaltet die Spur, die die Farbe auf der Leinwand oder dem Papier hinterlässt: Verschiedenfarbige Linien laufen parallel, vermischen sich, neue Farbflächen entstehen.
Bernadette Schroeger setzt sich in ihren Arbeiten mit den Spuren auseinander, die  zufällige oder gesteuerte Aktionen hinterlassen. Es sind Spuren, die von Veränderung zeugen, an vergangene Zeit erinnern. Sie reagiert auf sie, arbeitet mit ihnen, lässt etwas Neues entstehen. Diese Offenheit gegenüber Bestehendem, diese Neugierde auf Veränderung und alles Neue vermitteln Bernadette Schroegers lebendige Gemälde.

Galerie Cornelia Wichtendahl

 

Impressum